VARIA BY KARL LEUTHENMAYR

Exquisite Vorhänge, Zierbeschläge oder Tapeten: Mit seiner Firma Varia kümmert sich Karl Leuthenmayr um die Dekor-Details, die ein stilvolles Interieur abrunden.

„Was ist schön - und wo fängt der Kitsch an? Das ist die große Frage, wenn es um Stil geht“, sinniert Karl Leuthenmayr. „Guter Geschmack ist, wenn etwas in die richtige Situation gebracht wird.“ Eine plausible Definition. Seine neue Kreation, der Fadenvorhang mit glitzernder „Optical Fiber“, verdeutlicht diese Auffassung. Im ansprechenden Ambiente - etwa einem stilvollen Schaufenster oder an einem Messestand - sieht er kultiviert aus. Kombiniert mit billigen Plastikmöbeln, Plüschteppich und Blümchentapete wäre die Kitschgefahr für den Funkelvorhang deutlich größer. Leuthenmayr stellt hohe ästhetische Maßstäbe an das Sortiment seiner Firma Varia. Das bestätigt ein Blick auf die edlen Vorhangstoffe aus fein gemusterten Damast, Organza, Tüll und in unerschöpflichen Farben schillernder Seide, auf die kunstvollen Zierquasten oder die dekorativen Messingbeschläge aus der eigenen Gießerei, die den Münchner Showroom füllen. 600 verschiedene, feine Stoffe bietet er an, einen sogar in 100 Farbvarianten. Zudem vertreibt er Dekor wie Vorhangstangen und aparte Beschläge, Reeditionen à la Louis XV. aus dem 18. Jahrhundert, außergewöhnliche Tapeten, kostbare Posamenten und nicht entflammbare Stoffe.

Seit fast 40 Jahren leitet Karl Leuthenmayr Varia, „die Einkaufsquelle für den Fachhandel, Architekten und Dekorateure“, wie er sein weltweit agierendes Unternehmen mit Standorten in Paris, München, London und Miami beschreibt. Die Passion für edle Stoffe entwickelte der Dekor-Spezialist schon in der Jugend. „Ich war fasziniert von Damastbezügen antiker Möbel. Und ich wollte immer wissen, wie Damast hergestellt wird“, erinnert er sich. Nach einer Lehre beim französischen Stoffhersteller „Mercier Frères“ und weiteren Jahren in den USA entstand 1972 in Paris das eigene Geschäft. Der junge Deutsche, mit englischer Schulbildung bestens für internationalen Handel gerüstet, spezialisierte sich zunächst auf Möbelstoffe. Er entwarf Stoffkollektionen, die er an Polstermöbelfirmen verkaufte. „Ideen zu haben, ist sehr wichtig. Kreativität ist der ausschlaggebende Punkt im Betrieb. Und man muss wissen, was die Kunden wollen“, sagt der Stilexperte. Als die französische Regierung beschließt, dass öffentliche Einrichtungen schwer entflammbar ausgerüstet sein müssen, entwickelt Varia 1975 nicht brennbare Stoffe - mit großem Erfolg.

Ob Paillettenstoff oder Metallketten als Vorhang - wie kommt Leuthenmayr auf neue Ideen? „Die besten Ideen meines Lebens entstanden aus Fehlern in der Produktion und Beobachtungen. Etwas geht schief - und daraus reift eine Idee für Neues“, sagt der 70-Jährige. „Der Fadenvorhang etwa geht auf die Fliegenfängerstreifen zurück.“ Hilfreich dürfte auch sein Gespür für schöne, besondere Dinge, erstklassige Handwerkskunst sowie der Sinn für Qualität sein. „Eine Verabeitung, für die man Zeit und Präzision aufwendet und sehr viel Liebe beim Fertigen, ist mir wichtig. Es ist nichts zu teuer, wenn es schön ist. Man muss natürlich die Kunden dafür finden. Und das ist in Deutschland nicht so leicht.“, sagte er bedauernd. Er setzt sehr auf den Handel über das Internet, konferiert täglich über Skype mit seiner deutschen Webdesignerin in Bangalore oder den französischen Posamenten-Herstellern. Dabei springt er mühelos vom Englischen ins Französische - sicherlich ein großer Pluspunkt bei vielen seiner Kunden, zu denen Königshäuser ebenso wie Schlossbesitzer, Theater, Hotels und Messeausteller gehören. Einen Eindruck des Varia-Sortiments gibt es beim „Münchner Stoff Frühling“ im April im Laimer Schlössl.